Einen doppelten Applaus für Uruguay

Das nach Suriname zweitkleinste südamerikanische Land erscheint nur selten auf der Weltbühne. Ab und zu macht es aber doch Schlagzeilen, zum Beispiel dann, wenn jedes Grundschulkind Zugang zu einem eigenen Laptopcomputer erhält oder wenn es als erstes lateinamerikanisches Land homosexuelle Lebensgemeinschaften offiziell genehmigt. Sogar der Konsum von Marihuana wurde durch den Gesetzgeber legalisiert.Die meiste Zeit aber bleibt das Land mit einer Alphabetisierungsrate von 98% und einem konjunktursicheren Wirtschaftswachstum von 9% unterhalb des Radars. Und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Von Billy Cox, De Void

Dank A.J. Grevaerd, dem Herausgeber des brasilianischen UFO Magazins erhalten wir einen Einblick in das bemerkenswerte UFO-Forschungsprogramm Uruguays, das bereits seit 1979 existiert.

Man stelle sich nur einmal vor, das folgende Szenario spielte sich in den Vereinigten Staaten ab: Ein hell erleuchtetes UFO materialisiert sich über einem Staudamm und hält schwebend oberhalb einiger Hochspannungsleitungen inne. Gleichzeitig ereignet sich in der Stadt ein massiver Stromausfall. Militärflugzeuge werden gestartet, um die Situation aufzuklären. Den Piloten sowie den Beobachtern am Boden fällt buchstäblich die Kinnlade herunter, als das Objekt seine Farbe von gelb zu orange und schließlich zu rot ändert, beschleunigt und nur einen Moment später vollkommen verschwindet.

Dieser Vorfall ereignete sich tatsächlich 1986 in Montevideo. Die Hauptstadt Uruguays, in der mehr als die Hälfte der 3,3 Millionen Bürger Uruguays leben, verlor für kurze Zeit die gesamte Stromversorgung. Techniker erklärten später, die Transformatoren hätten sich während der UFO-Sichtung überhitzt. Die Verantwortlichen wurden nie identifiziert. Trotzdem hatten die zuständigen Behörden kein Problem damit, offen über den Vorfall zu sprechen.

Über diesen und andere Fälle erfuhr A.J. Grevaerd von Col. Ariel Sanchez, dem Leiter der uruguayanische Luftwaffenkommission zur Aufnahme und Untersuchung von UFO-Berichten (C.R.I.D.O.V.N.I.). Sanchez berichtet, dass die interessantesten Fälle mit Hilfe einer auch in der Polizeiarbeit eingesetzten Ermittlungsmethode untersucht werden. Dabei werden neben Psychologen, die ein Profil des Zeugen erstellen können, auch Astronomen, Ingenieure, Piloten, Fluglotsen und Meteorologen eingesetzt.

C.R.I.D.O.V.N.I. scheint einen hohen Anspruch an sich selbst zu haben. Seit ihrer Gründung wurden bei der Behörde ca. 2.200 Fälle eingereicht, von denen etwa die Hälfte näher untersucht wurde. Nur 40 Fälle verbleiben im wahrsten Sinne des Wortes ‘mysteriös’. Unter diesen befinden sich aber unglaublich spannende Ereignisse – wie der ‘Lufthansa Vorfall’.

2007 überflog ein deutsches Flugzeug auf seinem Rückweg nach Europa uruguayanischen Luftraum. Die Besatzung der Lufthansa-Maschine sowie der Pilot eines uruguayanischen Flugzeugs beobachteten ein tief fliegendes Objekt, das plötzlich zwischen beiden Flugzeugen hindurch schoss. Dabei verfehlte das UFO das deutsche Flugzeug nur um einige Meter. Einen Raketenbeschuss vermutend, kontaktierte die Crew der Lufthansa-Maschine die brasilianischen Fluglotsen, während Uruguay sich mit dem argentinischen Militär in Verbindung setzte. Der Papierkram zu diesem internationalen Zwischenfall landete auf dem Schreibtisch von Präsident Tabaré Vázquez.

Wir wissen nicht was mit den Informationen geschehen ist” berichtet Sanchez, der ebenfalls keine konventionelle Erklärung für den Zwischenfall finden konnte. “Jedenfalls kam der Fall an die Öffentlichkeit und alle Zeitungen in Uruguay und Argentinien berichteten darüber. Es war ein Riesenspektakel.”

Gervaerds Interview mit Sanchez ist wirklich lesenswert. In einer Fortsetzung mit De Void fügte er hinzu: “Ich glaube das Uruguay, genau wie Argentinien, Chile, Peru, Ecuador und – natürlich – Brasilien bisher nur einen kleinen Teil ihrer Unterlagen deklassifiziert haben. Es ist nur die Spitze eines gewaltigen Eisberges.”

Sanchez erklärt weiter, dass einige dieser Staaten beim Austausch von UFO-Daten eng zusammenarbeiten. Es sieht aber so aus, als bliebe diese Zusammenarbeit im regionalen Rahmen. Sanchez und seine Behörde C.R.I.D.O.V.N.I. seien noch nie von den entsprechenden Luftwaffenbehörden von Länder wie Russland, Frankreich oder generell von Staaten außerhalb Südamerikas kontaktiert worden. Umgekehrt blieben auch Sanchez’ Anfragen bei ausländischen Stellen zuweilen erfolglos: “Ich erinnere mich, dass wir uns vor vielen Jahren einmal an die NASA gewendet haben um uns bei der Auswertung von UFO-Bildern uruguayanischer Augenzeugen behilflich zu sein“, erinnert sich Sanchez. “Allerdings haben wir nie eine Antwort erhalten.”

Was lernen wir daraus? Die wichtigen Unterhaltungen finden im Süden statt. Ohne uns!

 

Übersetzung: Tobias Berg

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