10 Jahre Disclosure-Pressekonferenz im National Press Club – eine Bilanz

Es hätte eigentlich einschlagen sollen wie eine Bombe – doch die Explosionen fanden wenige Monate später am World Trade Center und am Pentagon statt, und die bekannten Folgen bestimmten fortan die Schlagzeilen. Die Rede ist von dem Auftritt von zwanzig Zeugen im Rahmen der groß angelegten Pressekonferenz des »Disclosure Projects« am 9. Mai im tragischen Jahr 2001.

Von Astra Lux

Zwanzig Kronzeugen, sogenannte »Whistleblower«, erklärten der Weltöffentlichkeit, daß sie über ihre persönlichen Erlebnisse und ihrem Wissen um UFO-Begegnungen während ihrer Tätigkeit beim Militär oder Geheimdiensten vor dem US-Kongreß unter Eid Zeugnis ablegen wollen. Darunter befanden sich auch zahlreiche ehemalige Geheimnisträger, die nun zum ersten Mal ihr Schweigen brachen.
Soetwas hatte es in der UFO-Forschung bis dahin noch nicht gegeben: Erstmals war nicht mehr bloß von Spekulationen um nicht weiter identifizierte Flugobjekte die Rede, sondern hier ging es ganz konkret auch um geborgene Objekte – samt Insassen – und um Maßnahmen, die ergriffen wurden um diese Vorfälle vor der Öffentlichkeit zu vertuschen. Hier sprachen Fachleute, zum Teil erfahrene Piloten.

Ins Leben gerufen hatte dieses Medien-Spektakel Dr. Steven M. Greer, Vorsitzender des 1993 gegründeten »Disclosure Projects«. Diese US-amerikanische non-profit-Organisation hat sich der Enthüllung vermeintlich geheimgehaltener Informationen im Zusammenhang mit UFOs und Außerirdischen sowie die bei Abstürzen geborgene Technik verschrieben. Dabei beziehen sich die Initiatoren auf eine Besonderheit der US-amerikanischen Gesetzgebung, des »Freedom of Information Act (FOIA)«, nach dem staatlichen Einrichtungen dazu verpflichtet sind, spätestens nach 40 Jahren die Geheimhaltung von ehemals klassifizierten Akten aufzuheben. Und das ist z.B. im Zusammenhang mit dem Roswell-Ereignis aus dem Jahre 1947 bis heute nicht der Fall.
Mit der Pressekonferenz im National Press Club (NPC) in Washington sollte öffentlicher Druck aufgebaut werden, damit der Kongreß sich damit beschäftigen muß.

Zehn Jahre sind seitdem vergangen und inzwischen hat Steven Greer nach eigenen Angaben über 400 Zeugen finden können. In der amerikanischen Öffentlichkeit fand das Ereignis auch tatsächlich einige Beachtung, bis schließlich die Ereignisse des 11. September das Weltgeschehen überschattete und alle Aufmerksamkeit band. Zu der Anhörung im Kongreß ist es nie gekommen, und den deutschen Medien fand das Thema fast überhaupt keine Resonanz.

Zunehmend mehrte sich auch von Seiten der UFO-Forschung die Kritik an der Person Steven Greers, und das Problem trat zutage, daß es eben keine allgemein anerkannte Instanz gibt, die wie ein Gericht über die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen entscheidet.
Von einem Scheitern des Projekts kann trotzdem keine Rede sein – die Dinge entwickelten sich eben nur etwas anders als zunächst geplant.

Das Ereignis ermutigte weitere Zeugen zu dem Schritt an die Öffentlichkeit und überzeugte andere wichtige Multiplikatoren, die in der Folgezeit das Gesicht dieses politischen Ringens um die Freigabe von UFO-Geheimnissen bestimmen sollten. In Frankreich begann die »Groupe d’Études et d’Informations sur les Phénomènes Aérospatiaux Non-identifiés (GEIPAN)«, eine Gliederung der Französischen Weltraumbehörde »Centre National d’Études Spatiales (CNES)« im Jahr 2007 mit der Veröffentlichung ihrer Akten über die UFO-Forschung, und in Großbritannien folgte der ehemalige »Ministry of Defence«-Mitarbeiter und Leiter der staatlichen UFO-Forschung Nick Pope diesem Beispiel und machte die früheren »X-Akten« der Öffentlichkeit zugänglich. Seit seinem Ausscheiden vom Dienst beteiligt er sich aktiv an der Wende in der UFO-Berichterstattung.

Eine weitere Disclosure-Pressekonferenz fand am12. November 2007 statt, ebenfalls wieder im NPC / Washington, doch diesmal von dem amerikanischen Filmproduzenten James Fox und der Autorin Leslie Kean organisiert. Die Veranstaltung moderierte der früherer Gouverneur Arizonas, Fife Symington, in dessen Amtszeit sich 1997 die große UFO-Sichtung in Phoenix / Arizona ereignete. Bei dieser zweiten Konferenz kamen weitere 14 hochkarätige Zeugen zu Wort, wie der frühere stellvertretende Generalstabschef der Belgischen Luftwaffe, General a.D. Wilfried De Brouwer.

Nicht zuletzt legte Steven Greers Initialzündung von 2001 den Grundstein für eine weltweit wachsende Exopolitik-Bewegung, die sich nicht mehr allein mit der Erforschung unerklärlicher Himmelsphänomene begnügt, sondern darüber hinaus politische Konsequenzen aus den zusammengetragenen Tatsachen fordert.

Solche objektiven CNN-Gesprächsrunden zum UFO-Phänomen, wie am 24.08.2011 mit Nick Pope, Leslie Kean, Fife Symington und James Fox oder das zweistündige Spezial vom History-Channel am Tag darauf wären vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen. Steven Greer begleitet zudem die populäre Fernsehserie »Ancient Astronauts«.

Der Wandel findet also bereits statt – wenn auch zunächst langsam und eher auf leisen Sohlen.

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