Nachgeblättert: Britischer Admiral war unermüdlicher UFO-Verfechter

In der letzten Veröffentlichung von UFO-Dokumenten des britischen Verteidigungsministeriums (MoD) befinden sich zwei Akten (DEFE 24/2033/1 und DEFE 24/2034/1), welche parlamentarischen Anfragen beinhalten. Ein beträchtlicher Anteil dieser Dokumente – über 350 Seiten – zeigen das unermüdliche Eintreten für UFOs im Allgemeinen und für den UFO-Vorfall vom Rendlesham Forest aus dem Jahr 1980 im Besonderen durch den Flottenadmiral Peter Hill-Norton. Hill-Norton war Generalstabschef der britischen Verteidigungskräfte und bis zu seinem Tod im Jahr 2004 ein Mitglied des House of Lords.

Von Antonio Huneeus

Aufgrund seines militärischen Ranges, seiner parlamentarischen Stellung und seiner hartnäckigen Persönlichkeit – ein ‘Nein’ als Antwort nahm Hill-Norton nicht hin – war er ein großer Feind der Bürokraten des MoD. Diese versuchten beständig die Bedeutung von UFO-Vorfällen im britischen Luftraum herunter zu spielen. Dies wird an den vielen offiziellen Antworten des MoD auf die vielen verschiedenen UFO-Fragen seitens Lord Hill-Norton deutlich. Diese Antworten schienen ihn jedoch nicht zu befriedigen und so wiederholte er diese Übung immer und immer wieder.

Die Frustration eines MoD-Beamten der Abteilung D/Sec(AS) – der Name des Mitarbeiters wurde wie üblich geschwärzt – über die Beharrlichkeit von Lord Hill-Norton wird durch einen handschriftlichen Vermerk auf einem ‘Loose Minute Dokument’ vom Oktober 1998 deutlich. Das ‘Thema’ selbst wurde durchgestrichen und durch folgende Zeile ersetzt:

“Lord Hill-Nortons Unzufriedenheit über das begrenzte Interesse des Ministeriums am ‘UFO-Phänomen”. Dann, im Abschnitt ‘Hintergrund’, schreibt der ungenannte Beamte:
“Lord Hill-Norton glaubt an UFOs und hat es sich zur Aufgabe gemacht die Regierung davon zu überzeugen die Vorstellung ernst zu nehmen, dass wir von Fluggeräten extraterrestrischen Ursprungs besucht werden. Er verfolgt dies mit missionarischem Eifer durch zahlreiche parlamentarische Anfragen und Erkundigungen. Er ist so etwas wie ein Verteidiger der ‘Ufologen’ in diesem Land”

Wer war Lord Hill-Norton?

Englische Zeitungen sind dafür bekannt in Nachrufen auf Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses eine spitze Feder zu führen. Als Lord Hill-Norton am 16. Mai 2004 starb, begann der Nachruf von Toby Hamden im ‘The Indipendent’ mit diesen Worten:

“Peter Hill-Norton war ein erbitterter, stocksteifer Marineoffizier der alten Schule. Als aggressiver und zierlicher Charakter, er war Zeit seines Lebens schlank und fit, entging seinen durchdringenden blauen Augen nichts und er verursachte Schrecken in den Herzen seiner Untergebenen. Rücksichtslos, ehrgeizig und nie von falscher Bescheidenheit geplagt, stieg er zum Chef des Generalstabes auf und war am Ende seiner Karriere Vorsitzender des NATO-Militärausschusses. Hill-Norton war ein grausam harter Lehrmeister, aber er suchte auch die Perfektion in sich selbst und widmete seinen gewaltigen Intellekt und seine grenzenlose Energie den Angelegenheiten der Royal Navy.”

Peter Hill-Norton wurde 1915 als Sohn eines Piloten des damals neuen Royal Flying Corps in Südafrika geboren. Mütterlicherseits geht die militärische Familientradition zurück bis ins Jahr 1635. Im Jahr 1928 trat er als Kadett bei der Royal Navy ein und diente während des Zweiten Weltkrieges als Offizier auf verschiedenen Schiffen der englischen Flotte im Fernen Osten und im Pazifik. 1944 wurde er zum Korvettenkapitän befördert. Seine weitere militärische Laufbahn führte er lückenlos fort: 1957 wurde er zum Leiter der Abteilung für taktische Waffen und Strategie des MoD. Nachdem er Kommandeur des Flugzeugträgers ‘Ark Royal’ war, wurde er 1962 zum Konteradmiral und stellvertretenden Generalstabschef der Marine ernannt. Weitere Titel folgten: Oberbefehlshaber im Nahen Osten (1969 – 1970), Generalstabschef der Marine und Marineminister (1970 – 1971), Generalstabschef der britischen Verteidigungskräfte (1971 – 1973), Vorsitzender der Militärausschusses der NATO (1974 – 1979).

Nach seinem militärischen Ausscheiden wurde er 1979 zum Baron ernannt und wurde ein Angehöriger des britischen House of Lords. Es gibt keine Hinweise darauf, dass er während seiner langen Zeit beim Militär mit UFOs konfrontiert wurde. Damals beschäftigen ihn die Fragen des Kalten Krieges und dessen Auswirkungen auf die ganze Welt. Aber kurz nachdem er dem House of Lords beigetreten war, wurde er mit dem UFO-Thema vertraut. Kurz bevor er im Jahr 1979 seine neue Stelle antrat, gab es eine vierstündige Debatte über UFOs im House of Lords. Nach dieser Debatte bildete Clancarty die ‘House of Lords All-Party UFO-Study Group’. Durch diese Gruppe kam Lord Hill-Norton mit dem UFO-Thema in Berührung. Dies war keine amtliche Kommission aber eine informelle Arbeitsgruppe, die Referenten (britische und ausländische UFO-Forscher) zu Vorträgen einlud.

In dieser Zeit begann eine enge Freundschaft zwischen Hill-Norton und dem bekannten Autor Timothy Good. Hill-Norton schrieb das Vorwort zu dem Bestseller ‘Jenseits von Top Secret: Das geheime UFO-Wissen der Regierungen’ und zu einigen weiteren Büchern von Good. Später arbeitete er auch mit der Autorin Georgina Bruni zusammen, die im Jahr 2000 ein Buch über den Vorfall vom Rendlesham Forest (‘You Can’t Tell The People’) veröffentlichte. Viele Details und Dokumente in diesem Buch bilden die Grundlage für Hill-Nortons parlamentarische Anfragen über diesen berühmten Fall und zu den Defiziten bei der offiziellen Untersuchung durch das MoD.

Die unerbittliche Interessenvertretung des Admirals

Der Großteil der aktuellen UFO-Papiere des MoD, die sich auf Lord Hill-Norton beziehen, sind in den beiden Akten mit den parlamentarischen Anfragen enthalten. Die vorliegenden Unterlagen enthalten ausgiebige Korrespondenz mit drei Staatssekretären aus der Labour Party: Lord John Gilbert, Baroness Elizabeth Symons of Vernham Dean und Lord William Bach.

Die an die Staatsminister gerichteten Fragen von Lord Hill-Norton wurden vom MoD bearbeitet um eine angemessene Antwort zu formulieren, welche dann von den Staatsministern unterzeichnet wurden. Nachfolgend sehen Sie die erste Seite der vielen ‚Written Answers‘ (schriftliche Antworten) des House of Lords vom 30. Januar 2001 zum Umgang mit dem ‘Vorfall vom Rendlesham Forest’ und anderen UFO-Angelegenheiten.

Hier sieht man eine Reihe der unbequemen Fragen: “War irgendeine Art von staatlichen Behörden an den Untersuchungen beteiligt?”, “Gibt es Kenntnisse über unkorrelierte Ziele auf dem Radar, die verfolgt wurden?”, “Gibt es irgendwelche unterirdischen Anlagen unter dem Luftwaffenstützpunkt Bentwaters?”, “Wurden Untersuchungen von der amerikanischen Luftwaffe oder dem Büro für Spezialuntersuchungen (OSI) der Air Force durchgeführt?”, usw.

Baroness Symons reagierte auf jede der Fragen, aber ihre Antworten fielen eher mager aus. In einem Schlüsselsatz heißt es:

“In den letzten 20 Jahren sind keine weiteren Informationen ans Licht gekommen, die das ursprüngliche Urteil des Verteidigungsministeriums, nämlich dass nichts von Bedeutung für die nationale Sicherheit im Jahr 1980 im Rendlesham Vorfall geschehen ist, in Frage stellt. Dementsprechend gibt es keinen Grund die Untersuchungen fortzuführen.”

Diese Haltung – ‘Nichts von Bedeutung für die nationale Verteidigung’ – machte den Flottenadmiral recht zornig und in einem Brief vom 17. April 2001 verlor er ein wenig die höfliche Sprache, die man von einem Mitglied des House of Lords erwarten könnte:

“Ich hatte nun Zeit mir ein Bild von Ihrem Schreiben vom 22. März zu machen und ich finde es weniger enttäuschend, als vielmehr absurd. Dies aus verschiedenen Gründen, vor allem aber, weil sie nicht in der Lage sind zu begreifen, über was wir hier reden.”

 

Punkt b des Briefes befasst sich mit dem offiziellen Argument, dass “die Ereignisse im Rendlesham Forest nicht vom Interesse für die Verteidigung seien. Aber in den letzten 20 Jahren sind eine Fülle neuer Beweise durch ernste und gewissenhafte Ermittler ans Licht gekommen… Sollte ihr Ministerium tatsächlich keine Schritte zur Wiederaufnahme der angeblichen militärischen Untersuchungen unternommen haben, wäre dies eine schwerwiegende Pflichtverletzung. Aber ich weiß, dass Ihre Behauptung schlichtweg falsch ist.”

Dann wirft er unter Punkt c die Frage auf, ob sie von dem ehemaligen Gefängnismitarbeiter bei Hollesley gehört habe, der über die offenbar unbefugte Entwendung bestimmter Unterlagen aus der Zeit des UFO-Vorfalles informiert sei.
“Über jeden Zweifel war der Vorfall von erheblichen Interesse für die Verteidigung, und es ist absurd, wenn Sie etwas anderes behaupten.”, schreibt Hill-Norton zum Schluss in seinem Brief an die Baronin.

In einem früheren Brief vom 22. Oktober 1997 an den damaligen Staatsminister Lord Gilbert schreibt Hill-Norton etwas gönnerhaft: “Ich will nicht wieder und wieder von vorne anfangen, aber da Sie noch nichts über diesen speziellen Fall wissen, möchte ich Sie gerne ins Bild setzen.” Dann bringt er sein Hauptargument, dass die Vorfälle im Rendlesham Forest von militärischem Interesse sein müssen. Hill-Norton schreibt:

“Meine sowohl private, als auch öffentliche Meinung, die ich seit mehr als zwölf Jahren zum Ausdruck bringe, ist, dass es hier nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder:
a) Ein Eindringen in unserem Luftraum und eine Landung eines unidentifizierten Fluggerätes in Rendlesham, wie beschrieben.
oder
b) Der stellvertretende Kommandant einer operativen, nuklear bewaffneten Luftwaffenbasis der Amerikaner in England und eine große Anzahl seiner Soldaten unterlagen einer Halluzination oder haben gelogen.
Beides muss einfach von ‘Interesse für das Verteidigungsministerium’ sein, was mit eben diesen Worten wiederholt bestritten wurde. Diese, oder eine ähnliche Ausdrucksweise, wurde wieder in Ihrer Antwort verwendet und ich glaube, im Lichte der zwei oben genannten Möglichkeiten, haben Sie keine Lust wieder eine solche Begründung zu unterzeichnen.”

Da Lord Gilbert auch danach nicht auf die verteidigungspolitischen Bezüge des Rendlesham Vorfalles einging, erhob Hill-Norton wieder eine Reihe von parlamentarischen Anfragen, die in den ‚Written Answers’ vom 28. Oktober 1997 beantwortet wurden. Neben den pikanten Vorwürfen, dass die Lagerung von Atomwaffen in den Luftwaffenstützpunkten Bentwaters und Woodbridge britische und amerikanische Verträge verletzen würden, stellte Hill-Norton der Regierung Ihrer Majestät folgende Fragen:

“Sind Sie sich der Berichte von Soldaten der amerikanischen Luftwaffe bewusst, dass gelagerte Atomwaffen im Luftwaffenstützpunkt Woodbridge in der Zeit vom 25. – 30. Dezember 1980 von einem unidentifizierten Flugobjekt mit Lichtstrahlen beschossen wurden? Und wenn dem so ist: Welche Maßnahmen wurden ergriffen?”

Lord Gilbert antwortete: “Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Verteidigungsministerium solche Berichte erhalten hat.” Die Antwort auf die Frage nach den Atomwaffen war weniger eindeutig, aber bezeichnend: “Weder bestätigen wir, noch streiten wir ab, dass sich in der Vergangenheit oder der heutigen Zeit in Großbritannien oder anderswo Atomwaffen befinden.”

Der Großteil der UFO-Korrespondenz von Lord Hill-Norton bezieht sich auf den Rendlesham Vorfall, aber er warf auch eine Reihe anderer Fragen zu UFO-Vorfällen und dem allgemeinen Status und Klassifizierung von UFO-Berichten auf, die dem MoD vorlagen. Ein besonderer Fall von Interesse war ein Bericht über einen angeblichen UFO-Absturz am 13. Februar 2001 in Nordirland. Staatsminister Lord Bach antwortete dazu:

“Nach Berichten von Rauch bei Benaughlin Mountain in der Nähe von Kinawy, der am Nachmittag des 13. Februar 2001 zu sehen war, führten die Polizei und das Militär eine Suche durch. Dabei wurden sie von Hubschraubern unterstützt, aber es wurde nichts gefunden. Eine weitere Suche wurde am folgenden Morgen durchgeführt, aber es wurde wieder nichts gefunden, was auf ein abgestürztes Flugzeug oder einen Brand hinwies. Der Vorfall wurde abgeschlossen.”

Die aktuellen UFO-Akten enthalten die Polizeiberichte über diesen wenig bekannten Vorfall (DEFE 24/2033/1 und DEFE 24/2034/1).

Obwohl er natürlich nie diesen Begriff verwendete, war Lord Hill-Norton, besonders in seinen letzten Jahren, ein exopolitischer Aktivist. Er verband die Themen ‘UFOs’ und ‘mögliche Eingriffe durch Außerirdische’ mit der Regierung und Politik. Es besteht kein Zweifel, dass der Flottenadmiral ein gewaltiger Verfechter des UFO-Themas war und das nach seinem Tod im Jahr 2004 niemand diese Rolle übernahm. Jetzt können seine unermüdlichen Anstrengungen jedoch studiert werden. Nicht nur in Großbritannien, sondern weltweit, wo es einen dringenden Bedarf an solch starken Persönlichkeiten in politischen Kreisen gibt.

Quellen: openminds.tv, Britisches National Archiv

Hinterlasse eine Antwort