Das V-Szenario: Sind außerirdische Besucher eine Bedrohung für uns?

Ein Kommentar von AstraLux
Mit großer Spannung habe ich die deutsche Erstausstrahlung der Neuinterpretation des Science-Fiction-Klassikers “V – Die Besucher” erwartet, und wurde nicht enttäuscht – jedenfalls was den Unterhaltungswert anbelangt. Die Serie wurde 2010 bei den Creative Arts Emmy Awards in der Kategorie Beste Visuelle Effekte ausgezeichnet, und das Rollenprofil der Reptiloiden-Königin Anna (die für die neue Geschichte die Funktion der Diana der ursprünglichen 80er-Jahre-Serie eingenommen hat) ist in den ersten Folgen der Staffel noch subtil und facettenreich ausgearbeitet und wird von Morena Baccarin glaubhaft in Szene gesetzt. Im Laufe der weiteren Folgen verliert die Figur zunehmend, trotzdem gelingt es der Serie immer wieder, den Zuschauer durch spannende Episoden zu fesseln.

Eine genauere Betrachtung verdient aber das Grundszenario dieser Serie: Die Erde wird riesigen Raumschiffen besucht, die für alle sichtbar über den wichtigsten Metropolen der Erde erscheinen und mittels einer Projektion in der jeweiligen Landessprache die Botschaft verkünden: “Wir kommen in Frieden!” Die Außerirdischen wirken vom äußeren Erscheinungsbild zunächst absolut menschlich, treten immer sehr höflich und freundlich auf, und geben als Grund für ihren Besuch an, bestimmte Rohstoffe zu benötigen. Im Gegenzug bieten sie den Menschen technologische Unterstützung bei der Lösung unseres Energieproblems an und errichten Krankenhäuser, die unserer Medizin weit überlegen sind.

Obwohl sie sogar ein Friedensbotschafter-Programm einleiten, mehren sich erste Zweifel an den guten Absichten der außerirdischen Besucher, und im Laufe der Serie wird deutlich, dass alles bloß eine perfekte Tarnung für eine Versklavung der Menschheit ist, und die Außerirdischen schon sehr lange unerkannt in unserer menschlichen Gesellschaft lebten, bevor mit der offenen Präsenz eine weitere Phase des perfiden Plans eingeleitet wurde.

Die eigentlichen Helden der Serie sind die Angehörigen einer irdischen Widerstandsgruppe gegen die außerirdische Invasion.

Die komplexen Täuschungsmechanismen sind ein sehr interessantes Element in der Serie, und der Zuschauer fragt sich zu Recht wem man noch trauen darf, wenn sich später herausstellt, dass wirklich alle völlig unverdächtigen Hilfeleistungen zum Unterdrückungssystem gehören, und jene Personen, die immer am freundlichsten und besonnensten auftreten, in Wahrheit die Bösen sind. Die Fähigkeit einer solchen Reflektion kann für die Bewertung unserer Tagespolitik wirklich sehr hilfreich sein, doch in diesem Film wird die Aufmerksamkeit auf “die anderen” gelenkt. Es ist eine Polarisierung, die den Argwohn gegenüber Fremden und deren Überlegenheit schürt, vor der zunehmend die Kritik an den Verbrechen der eigenen Eliten verblasst. Das ist eine Grundregel der psychologischen Kriegsführung: die Angst vor dem äußerer Feind schließt immer die eigenen Reihen.

In Gesprächen mit meinem Bekanntenkreis merke ich deutlich die Wirkung dieser Serie. Immer häufiger wird die Frage gestellt “woher wissen wir eigentlich, dass sie Gutes im Sinn haben, wenn außerirdische Besucher auf die Erde kommen?” – Nein, wir können natürlich nichts über die Motive einer völlig anderen Spezies wissen, und womöglich können wir das Thema auch gar nicht mit unseren traditionellen moralischen Kategorien von “Gut” und “Böse” erfassen.

Aber wir können immerhin von bestimmten Wahrscheinlichkeiten ausgehen. Schon die Tatsache, dass es uns überhaupt noch gibt, ist ein Indiz dafür, dass in unserem Teil der Galaxie jene Spezies seltener unterwegs sind, die nur darauf aus sind, andere zu vernichten. Denn es wäre nicht sehr klug, mit diesem Ansinnen erst zu warten, bis wir Waffensysteme entwickelt haben, mit denen wir uns wehren können. Es sei denn, damit wäre ein gewisses sportliches Interesse verbunden.

Wenn wir von unserer Entwicklung auf der Erde auf andere schließen, dauert es sehr lange bis eine Zivilisation sich technisch so weit entwickelt hat, dass sie die Fähigkeit erlangt, interstellar zu reisen. Das hat womöglich auch einen Sinn, denn neben der Evolution und dem wissenschaftlichen Fortschritt zwingen uns die natürlichen Grenzen – sowohl in den natürlichen Ressourcen als auch räumlich – zu einer spirituellen Entwicklung. Wäre der Mensch bereits zum jetzigen Zeitpunkt in der Lage, fremde Planeten zu besuchen auf denen Leben möglich ist oder bereits existiert, würden wir unsere jetzigen Konflikte nur exportieren.

Die heutigen globalen Probleme der Menschheit sind nur lösbar, wenn alle ein Bewusstsein für die Gesamtheit entwickeln und wir verstehen lernen, dass es ab einem gewissen Punkt kein Gegeneinander mehr gibt; wenn wir begreifen, dass die Probleme anderer zu unseren eigenen werden, und wir uns letztlich selbst schädigen, wenn wir anderen für kurzfristige egoistische Vorteile Schaden zufügen. Es besteht Grund zu der Annahme, dass diese spirituelle Entwicklung eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass eine Spezies die Technologie erlangt, so große Distanzen zu überwinden, weil sonst eine interstellare, aber unreife Macht, zu Destruktiv für die gesamte Natur des Universums wäre. Das macht eine Invasion durch intelligente Raubtiere sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn zufällig eine solche Zivilisation an die entsprechende Technik gelangen sollte, würden andere, höher entwickelte Kräfte aus den dargelegten Gründen für ein Gleichgewicht sorgen.

Das ‚V-Szenario‘ ist also letztlich nur eine Projektion negativer menschlicher Eigenschaften auf eine fremde Spezies. So wichtig es in unserer Welt leider noch ist, schöne Versprechungen auf einen möglichen Betrug hin zu überprüfen, bleibt der größte Betrug immer noch die Ablenkung von den eigentlichen Problemen. Der Mensch ist eine sehr träge Spezies, und wir gewöhnen uns allmählich an vieles das eigentlich völlig inakzeptabel ist. Wir neigen dazu, lieber die vertrauten Missstände weiter hinzunehmen, als uns offen mit dem Neuen und (noch) Fremden auseinanderzusetzen. Die Serie “V – Die Besucher” appelliert genau an diese Instinkte.

So stellt sich am Schluss die Frage, warum diese Serie ausgerechnet jetzt neu aufgelegt wurde, während gleichzeitig schleichend, aber unaufhörlich immer mehr Fakten der UFO-Vertuschung auch von offizieller Seite eingeräumt werden. Ob damit nun wirklich ein Ziel verfolgt wird und Misstrauen gegen Außerirdische geschürt werden soll, ist reine Spekulation. Es ist eben auch eine Tatsache, dass Gewalt-, Katastrophen- und Bedrohungsfilme vom Publikum gewünscht werden und man deswegen damit viel Geld machen kann. Anstatt also darüber zu spekulieren, ob andere “in Frieden” kommen, sollten wir uns fragen, wie tief diese Friedenssehnsucht tatsächlich in uns verwurzelt ist.

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