Ist US-Präsident Obama wirklich Amerikaner?

Normalerweise halte ich mich zurück bei so aberwitzigen Verschwörungstheorien, etwa bei der Behauptung, der US-Präsident Barack Obama sei gar nicht in den USA geboren worden, weshalb er laut US-Verfassung auch nicht als Präsident hätte vereidigt werden dürfen.

Diese Behauptung kursiert seit Monaten durchs Netz. Um die Zweifel an seiner Staatsangehörigkeit endgültig zu entkräften, ließ Obama im April 2011 die vollständige Geburtsurkunde veröffentlichen. Auf seinem offiziellen Blog auf der Webseite des White House steht diese jedem Interessierten zum Download zur Verfügung.

Doch interessanterweise schürt das Dokument eher noch die Zweifel. Ein findiger User öffnete das PDF-Dokument von dem Präsidenten-Blog in einem professionellen Bearbeitungsprogramm – Adobe Illustrator. In einem YouTube Video demonstriert „3TruthSeeker33“, dass Adobe Illustrator in dem Bild offenbar mehrere Ebenen ausmacht, die sich beliebig ein- und ausschalten lassen. Je nach Gusto lassen sich so einzelne Buchstaben, Unterschriften, Stempel oder gar der ganze Hintergrund unabhängig von anderen Bildelementen ein- und ausblenden.

Was besagt das über die Echtheit des Dokuments?

Professionelle Grafikdesigner arbeiten oft mit mehreren Bildebenen, um sie getrennt voneinander bearbeiten zu können. Ist das Vorhandensein von 20 Bildebenen in einem scheinbar eingescannten Dokument also ein Beweis dafür, dass es bearbeitet worden sein muss?

Der SPIEGEL widmete dieser Frage eigens einen Artikel und klärte auf:

„Die multiplen Ebenen sind höchstwahrscheinlich ein Algorithmus der Scan/OCR-Software, mit der die Urkunde eingescannt worden ist. Das bedeutet: Die Software erkennt Buchstaben und speichert sie als separate Elemente mit einer 1 Bit-Pixeltiefe (das verbraucht weniger Speicher).“

Nur darum würden alle Buchstaben auf der Obama-Urkunde so aussehen, als ob sie jemand nachträglich hinein gemalt hätte. Wer anderer Meinung ist, dem unterstellt der SPIEGEL-Artikel „schlichte Unkenntnis, gepaart mit rassistischen Vorurteilen“.

OCR also, „Optical Character Recognition“ – also Schrifterkennung. Ja, dachte ich mir: Das könnte eine Erklärung sein. Doch dann öffnete ich die Geburtsurkunde von Obamas Webseite selbst und stellte fest: In dem PDF wurde gar keine OCR-Texterkennung durchgeführt. Wenn dem so wäre, könnte man die Worte markieren und auch nach ihnen suchen.

Warum also die separaten Elemente in der Urkunde?

An dieser Stelle muss ich sagen, dass meine Bildbearbeitungskenntnisse äußerst bescheiden sind. Gott sei Dank haben wir in unserem Team eine echte Profi-Designerin. Saskia hat sich das Dokument angeschaut und es entspann sich folgender Dialog zwischen uns:

Robert: Wie kommen die Bildebenen zu Stande?

Saskia: Das sind keine Bildebenen, sondern Gruppierungen. Wenn man das Dokument in Adobe Illustrator öffnet, zeigt sich nur eine Bildebene, die verschiedene Gruppierungen enthält. Solche Gruppierungen können durch OCR entstehen, aber auch beim Vektorisieren.

Robert: Was ist Vektorisieren?

Saskia: Beim Vektorisieren „errechnet“ das Programm die Form von Bildelementen. Das macht man, um Bildelemente ohne Qualitätsverlust vergrößern zu können. Vielleicht war die Urkunde im Original zu klein und man wollte sie so vergrößern, dass sie gut lesbar ist.

Robert: Aber wieso entstehen dadurch so viele Bildelemente?

Saskia: Designer bearbeiten Bilder oft mit verschiedensten Programmen zur Vektorbearbeitung, Pixelbearbeitung, etc. So etwas passiert zum Beispiel, wenn man ein Dokument vektorisiert und dann über die Zwischenablage in Microsoft Word einfügt. Dabei können die unterschiedlichsten Gruppierungen entstehen.

Robert: Also ist das Vorhandensein der Gruppierungen für sich noch kein Beweis dafür, dass das Dokument verändert wurde?

Saskia: Nein.

Robert: Gibt es denn eindeutige Hinweise auf Manipulation?

Saskia: Schau Dir mal den grünen Hintergrund genauer an. An der linken Dokumentenseite siehst Du einen Schatten. Der entsteht ja dann, wenn das Papier beim Einscannen nicht ganz flach auf der Scannerplatte gelegen hat. Darum sind auch die Linien im Dokument nach unten gewölbt, weil das Blatt offenbar leicht gebogen war. Der grüne Hintergrund läuft aber ohne Wölbungen einfach glatt durch…

Robert: Was bedeutet das?

Saskia: Der grüne Hintergrund ist definitiv im Nachhinein eingefügt worden, anders ist das nicht zu erklären. Aber was sagt das schon aus? Ich nehme an, die wollten es einfach nur ein bisschen optimieren. Dass das Dokument in verschiedene Blöcke aufgeteilt ist, kann man sich auch ganz einfach in Adobe Illustrator anzeigen lassen – mit STRG+Y.

Robert: Gibt es noch andere Hinweise auf Bearbeitung?

Saskia: Interessanterweise gibt es identische Buchstaben in dem Dokument. Schau Dir mal dieses Video an. Der Buchstabe „B“ in dem Wort OBAMA ist bis auf das Pixel genau identisch ist mit dem B in einem anderen Wort. Das ist schon merkwürdig.

Robert: Kann das nicht auch durch die Schrifterkennung entstehen?

Saskia: Nein. Es gibt beim Scannen keine exakte Pixelübereinstimmung bei Buchstaben. Das ist unmöglich. Dass das B identisch ist bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass jemand das B kopiert und an anderer Stelle eingefügt haben muss. Vielleicht ist sein richtiger Name ja „OSama“, hehe…

Robert: Abgefahren.

Saskia: Also das Dokument muss definitiv bearbeitet worden sein. Ist schon unglaublich, dass sie das so zusammenkopiert online stellen und als Beweis präsentieren.

Robert: Also glaubst Du, dass Obama in Kenia geboren wurde?

Saskia: Ach Quatsch. Wer weiß, warum das Dokument bearbeitet wurde. Aber ich finde es komisch, dass der SPIEGEL nicht erwähnt, dass man eigentlich keine Dokumententeile zusammenbauen sollte, wenn es ein offizielles Dokument bleiben soll. In Deutschland würde man so ein bearbeitetes Dokument wahrscheinlich als Dokumentenfälschung werten.

Robert: Sieht für mich so aus, als hätten die Mitarbeiter des Präsidenten-Blogs ihrem Chef mit der „Optimierung“ keinen Gefallen getan.

Saskia: Wohl kaum…

 

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